Sonntag, 14. Mai 2017

"Champion" von Marie Lu


Champion
Marie Lu
Penguin Books, 2013
368 Seiten
Während June an der Seite des Herrschers Anden ist, hat Day mit seiner Krankheit zu kämpfen. Das Land ist kurz davor, im Frieden vereint zu werden – doch plötzlich bricht eine Seuche aus und die Kolonien machen die Republik dafür verantwortlich. Als die Situation zu eskalieren droht, werden Day und June wieder zusammengebracht und es stellt sich heraus: Sie allein weiß, wer das Land vor dem Krieg retten kann. Aber dazu muss sie alles und jeden aufgeben, den sie liebt. 

Sonntag, 7. Mai 2017

Day One | Interstellar

© Sophia Suckel
Lass uns die Zeit zurückdrehen. In Erinnerungen schwelgen und sie lebendig werden lassen. Lass uns Verlorenes wiederfinden und Vergangenes zurückbringen. Alles Falsche richtigstellen, alles Richtige überdenken. Besinnen wir uns auf das, was wichtig ist. Auf das, was wir einmal träumten aber niemals wagten. Schlagen wir einen anderen Weg ein, durchbrechen die Zeitlinie. Weil es egal ist. Das ist es doch, oder?
Wage. Träume. Sei mutig. Tu all das, für was du keine Zeit hattest. Das du nicht tun wolltest, aus Angst. Überwinde Grenzen, erschaffe neue Erinnerungen. Eine neue Zeitlinie. Für dich, für mich.
Ein neuer Anfang, ein neues Ende. Nicht alles wird gut werden, das weißt du. Das wissen wir beide. Aber du musst es versuchen.

~

Verloren. Da stehe ich nun, von nichts umgeben als Sand. Worte, die in meinen Ohren verklingen. Als ob es gestern gewesen wäre. Und doch ist es Jahre her. Jahrzehnte. Ich habe aufgehört, zu zählen. Habe aufgehört, mich darum zu kümmern. Zeit ist unbedeutend geworden. Wenn man allein ist, fühlt sich jeder Tag an wie eine Ewigkeit.
Sie haben mich nicht im Stich gelassen. Ich weiß es, und doch kann ich es nicht einsehen. Will es nicht einsehen. Wenn ich in den Spiegel blicke, erkenne ich ihre Gesichter. Die mich einhüllen, vereinnahmen und nicht vergehen wollen. Ich habe versagt. Wir haben versagt. Es gibt hier nichts mehr zu tun, und doch möchte ich nicht warten, bis ich gerettet werde. Irgendwann. Vielleicht auch nie. Es erscheint mir sinnlos, trotzdem stehe ich hier. Jeden Tag bei Sonnenuntergang. Und warte. und warte. undwarte.

Sonntag, 30. April 2017

Sternentheater

Diego Hernandez // Unsplash.com

Ihre Finger ertasteten das Gras unter sich, sie seufzte leise. Ein kurzer Moment des Wartens, dann öffnete sie die Augen.
Es war das erste Mal seit Langem, dass sie sich hier befand. Draußen, umgeben von nichts als Natur. Keine Wände, die sie einengten, keine Menschen, die ihr alles abverlangten. Nur Stille. Und der Nachthimmel, dessen Sterne über ihr thronten.
Ihr Blick glitt über die Sternbilder, sie begrüßte jeden einzelnen hellen Punkt mit einem leichten Nicken. Eine zeitintensive Aufgabe, die jedoch obligatorisch war. Sonst würde es sich so anfühlen, als sei sie an ihren Freunden vorbeigegangen, ohne sie zu beachten. Als sie ihren Kopf senkte und für einen Augenblick die Dunkelheit um sich herum wahrnahm, lief ihr ein Schauer über den Rücken. Doch sie liebte die Sterne zu sehr, um die Nacht zu fürchten.

Still lag sie da, lauschte in die Stille hinein, die Augen auf den Himmel fixiert. Eine kaum wahrnehmbare Bewegung am Rande ihres Blickfelds, die ihre Aufmerksamkeit auf sich zog. Sie drehte den Kopf, konnte gerade noch die erste Sternschnuppe erhaschen, die sich ihren Weg durch die Dunkelheit suchte, einen Schweif aus Staub hinter sich herziehend. Wünsch dir was.
Die Worte drangen an ihr Ohr und obwohl sie wusste, dass sie ganz allein war, verkrampften sich ihre Hände. Ihr Herz, das eben noch so leicht wie eine Feder war, wurde von Schwermut erfasst, der erst verging, als eine zweite Sternschnuppe den Himmel erleuchtete. Sie sah erneut nach oben, verlor sich in dem Anblick. Immer mehr Sterne begannen, sich zu bewegen. Zu tanzen, als ob sie noch nie etwas anderes getan hätten. Langsame Bewegungen, die immer schneller wurden. Kreise, Gesichter. Menschen, die sie einmal gekannt hatte. Silhouetten von Personen, die sie bewunderte. Die Sterne verdichteten sich zu einem Haufen und sie spürte plötzlich die Bedrohung, die von ihm auszugehen schien. Eine Bedrohung, die sie zuvor nicht wahrgenommen hatte. Der Tanz stoppte erst, als sie ihre Hand zum Himmel streckte. Mitten in der Bewegung hielten die Lichter inne, als wäre sie ihre Dirigentin. Es war Zeit, zurückzugehen.
Ihre filigranen Finger bewegten sich nur leicht, doch die Sterne gehorchten sofort, verließen ihren Platz am Himmel und strömten auf ihre Haut, suchten sich eine der leeren Stellen, die es zu füllen galt. Sie spürte nicht mehr als ein Kribbeln, während auch der hellste Stern sich ihrer Bitte fügte und zu ihr kam, die Leere auf der Mitte ihrer Stirn füllte. Mit langsamen, fast vorsichtigen Bewegungen erhob sie sich, fixierte die ersten Sonnenstrahlen am Horizont, die langsam aus ihrem Käfig gekrochen kamen. Ein Lächeln umspielte ihre Lippen, sie strich für einen Augenblick gedankenverloren über ihre mit Sternen bedeckten Arme. Ein weiterer unerfüllter Wunsch. Sie konnte es nicht ändern. Drehte sich um die eigene Achse und verschwand.
Das Sternentheater war zu Ende.

Sonntag, 23. April 2017

"Der Winter erwacht | Wenn der Sommer" stirbt von C.L. Wilson



Der Winter erwacht | Wenn der Sommer stirbt
C.L. Wilson
Bastei Lübbe, 2015
385 Seiten | 417 Seiten


Zwischen Sommergrund und Winterfels herrscht Krieg. Um den Frieden herbeizuführen fordert König Wynter von Winterfels eine Hochzeit zwischen sich und einer der drei Prinzessinnen Sommergrunds. Was er nicht weiß: Es gibt noch eine vierte Prinzessin, Chamsin. Sie wird von ihrem Vater verachtet, da sie störrisch und eigensinnig ist. Sie wird gegen ihren Willen mit Wynter vermählt, muss sich aber eingestehen, dass er gar nicht so kaltherzig ist, wie sie zuvor dachte. Aber auf ihm liegt ein schrecklicher Fluch, von dem nur Chamsin ihn befreien kann.