Sonntag, 16. April 2017

"Prodigy" von Marie Lu


PRODIGY
Marie Lu
Penguin Books, 2013
371 Seiten


PRODIGY ist der zweite Band einer Trilogie. Hier kommt ihr zur Rezension des ersten Bandes.

Der alte Elector ist tot – lang lebe der neue Elector Anden! Auf der Flucht vor der Republik schließen sich June und Day den Patrioten an, um Days Bruder zu retten und in die Kolonien zu entkommen. Doch die Patrioten fordern eine Gegenleistung: Aber June bemerkt immer mehr, dass Anden nicht so ist wie sein Vater. Dass er sich um das Volk sorgt und mit Day zusammenarbeiten will. Was, wenn die Patrioten falschliegen?

Nahezu nahtlos knüpft Prodigy an seinen Vorgängerband an. June und Day haben sich nach Las Vegas geflüchtet, um dem Elektor und seinen Schergen zu entkommen. Aber Day ist schwer verletzt und June hat noch immer mit dem Tod ihres Bruders zu kämpfen, als die Patrioten auftauchen und sie bei sich aufnehmen. Hier treffen sie auch Tess wieder, die als verschollen galt.
Der Einstieg ist sehr rasant, die Hoffnungslosigkeit der Situation ist auf jeder Seite deutlich zu erkennen. June und Day sind mitgenommen von den Ereignissen des ersten Bandes, auch ihre Beziehung hat sich geändert. Die beiden wirken immer mehr wie Erwachsene, die schwere Entscheidungen treffen müssen.


Wieder wird der Roman aus zwei unterschiedlichen Perspektiven erzählt – dieses Mal allerdings nicht, weil die beiden sich an verschiedenen Orten befinden. Das fand ich an einigen Stellen etwas befremdlich, weil teilweise ganze Szenen aus der anderen Sicht wiederholt wurden. Natürlich ist es sehr interessant, wenn sich beide Perspektiven ergänzen können, aber manchmal habe ich Days Perspektive als unnötig empfunden – sie war nicht so gut ausgearbeitet, seine Motive nicht so stark wie die von June. Die Liebesbeziehung der beiden wird ausgebaut, was mich nicht sonderlich gestört hat. Gestört hat mich allerdings Tess. Was ist aus dem starken, selbstbewussten Mädchen aus dem ersten Band geworden? Sie ist unglaublich eifersüchtig auf June, da sie selbst auch in Day verliebt ist und zeigt das bei jedem einzelnen ihrer Auftritte. Schade, denn im ersten Band habe ich sie sehr gemocht.
Es kommen kaum neue Charaktere hinzu – Anden und Razor sind die Ausnahme. Während ich Anden sehr gut einschätzen konnte und ihn auch sehr mochte, blieb Razor im Dunkeln. Seine Motive waren nicht immer klar, für meinen Geschmack hatte er viel zu wenig Szenen, in denen er aktiv vorkam. Aber wer weiß, vielleicht war das so gewollt und Marie Lu enthüllt seinen Charakter in ‚Champion‘.
Innerhalb von ‚Prodigy‘ macht vor allem Day eine extreme Wandlung durch. Er setzt alles daran, seinen Bruder zu befreien, schließt sich den Patriots an und muss irgendwann feststellen, dass alles um ihn herum zusammenbricht. Lügen, Verrat, Hass. Mehr sage ich nicht dazu.


Was den Handlungsverlauf angeht, bin ich sehr zwiegespalten. Ich mochte den Anfang, wie die beiden in Las Vegas ankommen, sich den Patriots anschließen und June sich von Anden gefangen nehmen lässt. Dann jedoch zieht es sich. Die Handlung scheint nicht voranzukommen, alles wird bis ins kleinste Detail erläutert, irgendwie dreht sich alles um sich selbst, obwohl der rote Faden noch immer vorhanden ist. Erst beim letzten Drittel des Buches wird es wieder spannend, auch, weil ein Ortswechsel ansteht; denn zum ersten Mal wird das Leben in den Kolonien beleuchtet und erklärt, was eine unglaublich interessante Erfahrung war.
Irgendwann im ersten Drittel erklärt Anden June, wie es zur Entstehung dieser dystopischen Welt kam. Wieso es die Kolonien gibt, wieso die Trials stattfinden. Ein sehr gut gelungener Abschnitt, denn im ersten Band hätte ich mir gewünscht, dass die Hintergrundgeschichte ausgearbeitet wird. Und voilà – ich bin wunschlos glücklich.
Vor allem das Ende muss hervorgehoben werden. Ich habe mich lange gefragt, in welche Richtung sich das alles entwickelt und war positiv überrascht. Die letzten Kapitel sind nicht vorhersehbar und doch so gut gemacht, dass ich wirklich gespannt bin, wie es in ‚Champion‘ weitergeht.


‚Prodigy‘ überzeugt mit einer Geschichte rund um Macht, Hass und Verrat. Die Charaktere haben sich weiterentwickelt und sind nach wie vor sympathisch. Leider zieht sich der Mittelteil des Buches, dafür ist das Ende umso spannender. Dranbleiben lohnt sich.


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